Zufütterung

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Igel Dauer-Zufütterung. Sinnvoll ?

Kann ein Rückgang an natürlicher Igelnahrung (z. B. Insektensterben) durch dauerhafte Zufütterung der Igel kompensiert und so die Igelpopulation in einem Gebiet erhalten werden? Die Hauptnahrung des Igels besteht aus Insekten, doch diese sind massiv bedroht. Schon nahezu die Hälfte der Insektenarten müssen wir heute zu den gefährdeten Arten zählen. Diverse Insekten sind bereits ganz verschwunden. Verdichtetes Bauen mit nur noch kleinen Grünflächen, die zudem oft vollkommen insektenfeindlich gestaltet sind, der Einsatz von Pestiziden und weitere Faktoren tragen dazu bei, dass das Insektenleben in gewissen Gebieten fast zum Erliegen gekommen ist! Tierarten, die teilweise oder ganz auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind (z.B. Igel, gewisse Vogelarten, Spitzmäuse, Fledermäuse, Amphibien, gewisse Reptilien- oder Fischarten), geraten mit dem Rückgang ihrer Beutetiere ebenfalls zusehends unter Druck. Auf dem Speiseplan des Igels stehen zwar auch noch andere Tiere wie Regenwürmer, Tausendfüssler oder Schnecken, trotzdem sind die Insekten als Beutebestandteil aber essenziell.

Bei vielen Igelfreunden besteht deshalb der Wunsch, zu knapp vorhandene natürliche Nahrung durch dauerhaft und breitflächig angebotenes Ersatzfutter zu ersetzen oder zumindest in größerem Maß zu ergänzen. Was gut gemeint ist, kann für die Igel aber äußerst problematisch werden. Als Ersatznahrung steht an erster Stelle Katzenfutter. Dieses ist einfach zu beschaffen und je nach gewählter Sorte preislich erschwinglich. Daneben kommen immer mehr auch diverse Igelfertigfutter zum Einsatz, die in letzter Zeit vielerorts beworben und angeboten werden.

Solche Ersatzfutter aber sind bereits das erste bedeutende Problem! Sie unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung nämlich zum Teil stark von der natürlichen Igelnahrung. Zwar können sie, kurzfristig überbrückend und für Einzeltiere eingesetzt, einem Igel das Leben retten. Wird diese Ersatznahrung aber während der ganzen Saison den Igeln eines Gebietes praktisch à discrétion zur Verfügung gestellt, kann es bei diesen Tieren mit der Zeit zu großen gesundheitlichen Störungen kommen! Da die Ersatznahrung im Vergleich zur natürlichen Nahrung des Igels meist zu wenig tierisches Protein, einen falsch zusammengesetzten und oft auch zu hohen Fettanteil und viel zu viele Kohlenhydrate enthält, sind Verdauungsstörungen, Pankreas-, Leber- und Nierenerkrankungen, Adipositas oder Zahnsteinbildung (mit allenfalls vollständigem Zahnverlust) die möglichen Folgen.

Zudem verursachen dauerhaft eingerichtete Futterstellen auch noch weitere Probleme: Ein Futternapf lockt oft mehrere Igel an, dadurch kann es zur Übertragung ansteckender Krankheiten kommen. Des Weiteren wird der Einzelgänger Igel durch die unmittelbare Anwesenheit von Artgenossen gestresst und die schwächeren Individuen leiden unter den zum Teil recht groben Attacken der stärkeren Igel. Futterstellen die auch im Winter dauerhaft bestückt werden, können überdies vor allem Jungigel so stark durcheinanderbringen, dass sie auch nach dem Erreichen eines winterschlaffähigen Zustandes nicht schlafen gehen, mit für sie unter Umständen katastrophalen Folgen im nächsten Frühjahr.

Es ist an dieser Stelle wichtig, sich eines biologischen Grundsatzes bewusst zu werden: Neben weiteren Faktoren ist es Menge und Art der vorhandenen natürlichen Nahrung, die längerfristig die maximale Anzahl der Individuen einer Art in einem umrissenen Gebiet bestimmt. Werden z.B. mehr Jungtiere geboren als es die vorhandene natürliche Nahrung gerade zulässt, oder nimmt eben diese Nahrung ab, so sterben die schwächsten Tiere der Population weg und den vitaleren wird die noch vorhandene Nahrung überlassen. Die Population pendelt sich auf einem klein(er)en Bestand ein, dafür aber mit gesunden und einigermaßen gut genährten Einzeltieren.

Wenn wir Menschen jetzt massiv eingreifen, indem wir dauerhaft Ersatzfutter anbieten, um möglichst allen gerade im Gebiet vorhandenen Igeln das längerfristige Überleben zu sichern, kann folgendes geschehen: Die Population bleibt zunächst grösser als es die Menge an natürlichem Futter zulassen würde. Und da auch die eigentlich überzähligen, aber dank der Ersatzfütterung immer noch vorhandenen Tiere einen gefundenen Käfer oder Regenwurm trotz allabendlichem Besuch am Futternapf nicht verschmähen werden, nimmt die natürliche Nahrung noch weiter ab. Und irgendwann sind auch die vitaleren Igel des Gebietes auf die zusätzliche Ersatznahrung angewiesen. Hält der Zustand dieser «Überbevölkerung» für längere Zeit an, kann das Ganze darin enden, dass sich die Igel eines Gebietes hauptsächlich und während der ganzen Saison mit für sie im Prinzip ungeeignetem Futter ernähren müssen. Die möglichen Folgen für die Einzeltiere wurden bereits beschrieben! Anstelle einer kleinen dafür aber gesunden Igelpopulation ist durch das Einwirken der Menschen ein Gebiet mit zuerst zwar noch vielen, aber durch Krankheiten geschwächten Tieren entstanden. Dies sind Krankheiten, an denen ein großer Teil dieser Tiere in der Folge sterben wird. Und auch wenn es nicht sofort mit dem Tod endet, sind solch kranke Tiere doch geschwächt. Die Männchen sind z.B. nicht mehr in der Lage, sich auf die Suche nach paarungsbereiten Partnerinnen zu machen und die wenigen Weibchen, die sich noch verpaaren konnten, eventuell nicht mehr fit genug, um die Jungen aufzuziehen.

Das traurige Ende: Die Igelpopulation im betreffenden Gebiet bricht vollständig und für lange, eventuell sogar für immer, in sich zusammen! Kommt noch hinzu, dass künstliche Dauerfutterstellen auch für andere Wildtiere schlimme Folgen haben können. Das Katzenfutter lockt beispielsweise auch Füchse an, die sich so immer mehr an die Nähe des Menschen gewöhnen, mit der Zeit frech und distanzlos werden und im Quartier für Aufruhr sorgen. Über kurz oder lang wird jemand den Wildhüter rufen und der «Problemfuchs» wird geschossen. Aber jetzt die gute Nachricht: Wir alle können etwas tun, um Igeln und anderen auf Insekten angewiesenen Tieren artgerecht und nachhaltig zu helfen! Schaffen wir wo immer möglich Lebensraum für Insekten!

Wenn wir einen eigenen Garten haben: Achten wir bei der Bepflanzung auf möglichst viele einheimische Strauch- und Baumsorten, lassen wir Totholz liegen, verwenden wir keine Insektizide, verzichten wir auf einen artenarmen «gepflegten» Millimeter-Rasen und wählen stattdessen einen farbenprächtigen Blumenrasen, schalten wir jegliche unnötige nächtliche Beleuchtung rund ums Haus aus, legen wir einen Gartenteich an, verwenden wir keine Laubsauger oder -bläser, usw.

Aber auch wenn wir zur Miete wohnen können wir etwas tun! Mit dem Hauseigentümer sprechen und versuchen, ihn für mehr Natur rund ums Haus zu begeistern oder wenigstens den Gärtner oder Hauswart bitten, das Laub im Herbst nicht zu entfernen, sondern es in einer Ecke zu einem Haufen aufgeschichtet liegen zu lassen. Oder wir legen auf dem Balkon Töpfe mit Wildblumen an, erstaunlich, wie viele geflügelte Gäste sich dann dort einfinden! Wir könnten auch mit den Nachbarn sprechen, uns für mehr Natur im Quartier stark machen oder sogar in der Gemeinde aktiv werden, Aufklärungsaktionen starten, die Behörden für naturnahe Grünraumgestaltung zu begeistern versuchen. Und das alles im Wissen und mit dem guten Gefühl, dass wir damit nicht nur den Igeln und anderen Tieren helfen. Auch für uns Menschen ist ein gesunder Insektenbestand essenziell! Es sind die Insekten, die neben den Wildpflanzen auch viele unserer Kulturpflanzen bestäuben und so weltweit einen großen Teil der menschlichen Ernährung sichern!

Quelle: www.igelzentrum.ch

Wenn wir Menschen massiv eingreifen,

indem wir dauerhaft Ersatzfutter anbieten, um möglichst allen gerade im Gebiet vorhandenen Igeln das längerfristige Überleben zu sichern, kann Folgendes geschehen:

Die Population bleibt zunächst grösser als es die Menge an natürlichem Futter zulassen würde. Und da auch die eigentlich überzähligen schwachen, aber dank der Ersatzfütterung immer noch vorhandenen Tiere einen gefundenen Käfer oder Regenwurm trotz allabendlichem Besuch am Futternapf nicht verschmähen werden, nimmt die natürliche Nahrung noch weiter ab. Und irgendwann sind auch die vitaleren Igel des Gebiets auf die zusätzliche Ersatznahrung angewiesen. Hält der Zustand dieser «Überbevölkerung» für längere Zeit an, kann das Ganze darin enden, dass sich die Igel eines Gebiets hauptsächlich und während der ganzen Saison mit für sie im Prinzip ungeeignetem Futter ernähren müssen. Anstelle einer kleinen, dafür aber gesunden Igelpopulation ist durch das Einwirken der Menschen ein Gebiet mit zuerst zwar noch vielen, aber durch Krankheiten geschwächten Tieren entstanden. Dies sind Krankheiten, an denen ein grosser Teil dieser Tiere in der Folge sterben wird. Und auch wenn es nicht sofort mit dem Tod endet, sind solch kranke Tiere doch geschwächt. Die Männchen sind z.B. nicht mehr in der Lage, sich auf die Suche nach paarungsbereiten Partnerinnen zu machen, und die wenigen Weibchen, die sich noch verpaaren konnten, eventuell nicht mehr fit genug, um die Jungen aufzuziehen.

Das traurige Ende: Die Igelpopulation im betreffenden Gebiet bricht vollständig und für lange, eventuell sogar für immer, in sich zusammen

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